Diese Frage stellt sich selten freiwillig.

Meist taucht sie dann auf, wenn etwas wegfällt: eine Aufgabe, eine Rolle, eine Erwartung, ein Bild von dir selbst.

Solange etwas von dir erwartet wird, ist vieles klar.

Du weißt, wie du dich verhalten sollst. Wofür du gebraucht wirst. Was funktioniert.

Aber was bleibt, wenn das alles leiser wird?


Wenn Rollen wegfallen


Ein großer Teil unseres Selbstbildes entsteht nicht aus dem, was wir sind, sondern aus dem, was wir erfüllen.

Du bist der Zuverlässige. Die Starke. Der, der das schon regelt. Die, die immer da ist.

Diese Rollen geben Halt. Aber sie nehmen auch Raum.

Wenn sie wegfallen, entsteht Unsicherheit.

Man fühlt sich leer, unfertig, manchmal sogar nutzlos. Nicht, weil man nichts ist – sondern weil man sich lange über das definiert hat, was von außen gebraucht wurde.


Ein Moment aus dem Alltag


Vielleicht ist es dieser Augenblick am Morgen, wenn der Wecker klingelt und du liegen bleibst.

Nicht aus Müdigkeit, sondern weil du nicht mehr weißt, wofür du eigentlich aufstehen sollst.

Oder der Moment, in dem niemand anruft, niemand etwas will – und genau das dich unruhig macht.

Nicht gebraucht zu werden fühlt sich manchmal schwerer an als zu viel tragen zu müssen.


Die Stille hinter der Funktion


Wenn nichts mehr von dir erwartet wird, wird es still.

Diese Stille ist ungewohnt. Sie hat keine Struktur. Keine klare Aufgabe. Kein Lob.

Viele versuchen, sie schnell wieder zu füllen. Mit neuen Projekten. Neuen Zielen. Neuen Rollen.

Doch vielleicht ist diese Stille kein Mangel, sondern ein Raum.


Wer du bist, wenn du nichts leisten musst


Ohne Erwartung fällt etwas Entscheidendes weg: der Druck, jemand sein zu müssen.

Du musst nichts beweisen. Nichts aufrechterhalten. Nichts erfüllen.

Was bleibt, ist oft überraschend schlicht.

  • dein Tempo
  • deine Art zu schauen
  • deine Grenzen
  • dein Humor
  • dein Nein
  • dein leises Ja

Das alles war vorher schon da. Aber es war überlagert.


Die Angst, bedeutungslos zu werden


Viele haben Angst vor dieser Phase.

Nicht, weil sie leer ist – sondern weil sie nicht bewertet wird.

Ohne Erwartung gibt es kein Außen, das dir sagt, ob du richtig bist.

Das kann sich anfühlen wie Bedeutungslosigkeit.

Aber vielleicht ist es etwas anderes.

Bedeutung ohne Publikum.

Ein Dasein, das nicht sichtbar sein muss, um echt zu sein.


Ein zweiter leiser Spiegel


Vielleicht sitzt du in einem Gespräch, hörst zu, nickst – und merkst plötzlich:

Ich spiele hier gerade eine Rolle, die mir früher Sicherheit gegeben hat, aber heute nichts mehr mit mir zu tun hat.

Und du weißt nicht, wer du wärst, wenn du sie einfach fallen lässt.


Mehr als deine Rolle


Rollen können sinnvoll sein. Aber sie sind nicht deine Identität.

Wenn sie wegfallen, bleibt etwas zurück, das nicht benannt werden will.

Kein Titel. Kein Etikett. Kein klares Bild.

Nur Präsenz.


Ein leiser Gedanke zum Schluss


Wer du bist, wenn nichts mehr von dir erwartet wird, ist nicht weniger.

Es ist das, was bleibt, wenn du aufhörst, dich zu erklären.

Und das reicht.

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